Diabetes und Demenz - Diabetes verzuckert das Gehirn

Typ 2-Diabetiker erkranken im Vergleich zu gesunden Menschen bis zu viermal öfter an einer gefäßbedingten oder vaskulären Demenzerkrankung als gesunde Menschen.

Das zeigen mehrere wissenschaftliche Studien einstimmig. Nicht ganz so eindeutig ist die Datenlage bei der Alzheimer Demenz. Hier wird geschätzt, dass das Risiko für den Ausbruch der Erkrankung 1,5- bis 2-mal so groß ist im Vergleich zu Nichtdiabetikern.  Beide Formen der Demenz Erkrankung treten bei Diabetikern früher auf als bei gesunden Menschen. Die vaskuläre Demenz tritt im Schnitt fast drei Jahre und eine Alzheimer Demenz gut ein Jahr früher auf. Dabei steigt das Risiko für eine Demenz Erkrankung parallel zur Diabetes-Dauer.

Die wichtigste Ursache dafür ist ein anhaltend erhöhter Blutzucker-Spiegel, der die Blutgefäße nicht nur in den Nieren, Augen, Beinen und Füßen, sondern auch im Gehirn schädigt. Aber auch die häufig bei Diabetes auftretenden Begleiterkrankungen wie starkes Übergewicht, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen gelten als Risikofaktoren.  Experten warnen vor einem fatalen Teufelskreis. Einerseits erhöht die Diabetes-Erkrankung das Risiko für eine Demenzerkankung, andererseits verschlechtert sich bei dementen Diabetikern oft die diabetische Stoffwechsellage rapide mit schwerwiegenden Folgen. Patienten, die gleichzeitig unter Diabetes mellitus und einer Demenz leiden, haben ein hohes Risiko für schwere Unterzuckerungen. Aufgrund ihrer Beeinträchtigung durch die Demenz gelingt es ihnen nicht mehr, ihre Ernährung und die Dosierung ihrer Medikamente aufeinander abzustimmen. Gleichzeitig können sie erste Anzeichen für eine Unterzuckerung nicht mehr richtig einschätzen und der korrekte Umgang mit dem Blutzuckermessgerät sowie dem Insulinpen zuhause fällt ihnen schwer oder gelingt gar nicht mehr.

 

 

Schwere Unterzuckerungen schädigen das geschädigte Gehirn weiter und beschleunigen so den Fortschritt der Erkrankung.

 

Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft sind der Meinung, dass die das gleichzeitige Auftreten von Diabetes und Demenz von den Ärzten zu wenig beachtet wird. Im Sinne einer frühzeitigen Behandlung empfehlen sie in der neuen Leitlinie der Fachgesellschaft „Psychosoziales und Diabetes“, 6/2013 ein jährliches Demenz-Screening für Diabetiker, die älter als 65 Jahre sind über Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung klagen. Zugleich setzten sie sich für eine stärkere Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegekräften sowie pflegenden Familienangehörigen und fordern die Entwicklung entsprechender Fortbildungsprogramme.