Stress Trauer Depression - Auslöser für Diabetes?

Diabetes mellitus und Polyneuropathie

Cortison und Diabetes

Diabetes und Stuhlinkontinenz

Diabetes und Depressionen

Diabetes und Dünndarmentzündung

Diabetes und Psychotherapie

Schultersteife bei Diabetes mellitus

Cortison und HbA1C-Wert

 

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Stress Trauer Depression - Auslöser für Diabetes?

Frage:

Ich möchte gerne wissen, ob Stress, Trauer, Traurigkeit, Depression etc. ein Grund bzw. Auslöser für die Zuckerkrankheit (Diabetes) sein kann.

Antwort:

Uns sind keine wissenschaftlichen Daten bekannt, die belegen, dass es zwischen Emotionen wie Trauer, Traurigkeit oder auch Stress und dem Auftreten von Diabetes mellitus einen direkten kausalen Zusammenhang gibt. Für diese Erkrankung gibt es immer eine genetische Veranlagung. Ist diese vorhanden, können möglicherweise negative Gefühle und Stress mit daran beteiligt sein, dass die Krankheit auftritt. Anhaltender negativer Stress lässt z. B. den Blutdruck steigen, erhöht das Risiko für Herzinfarkt und schwächt das Immunsystem. Bei vielen Menschen steigt unter Stress oder negativen Gefühlen das Körpergewicht. Hinzu kommen oft weitere gesundheitliche Risikofaktoren wie Bewegungsmangel oder Rauchen. Übergewicht gilt bei entsprechender genetischer Veranlagung als „Wegbereiter“ für das Auftreten von Diabetes mellitus Typ 2.

 

D.h. Menschen, die eine erblich bedingte Veranlagung für die „Zuckerkrankheit“ haben, haben bei anhaltendem Stress, negativen Gefühlen oder Depressionen ein höheres Risiko für diese Krankheit. Es gibt Beobachtungsstudien, die gezeigt haben, dass das Risiko, an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken 1,4mal höher war bei Patienten mit einer Depression als bei gesunden Kontrollpersonen.

 

Umgekehrt haben Studien gezeigt, dass Depressionen bei Diabetikern im Erwachsenenalter drei- bis vierfach häufiger sind als bei stoffwechselgesunden Personen, vor allem als Reaktion auf die Belastungen und Einschränkungen durch die Krankheit.

Durch eine konsequente Behandlung einer Depression durch den Diabetologen kann die Stoffwechsellage bei Diabetes deutlich gebessert werden. Und eine optimale Blutzuckereinstellung kann sich positiv auf den Verlauf einer Depression auswirken. Aus diesem Grund empfiehlt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) ein jährliches Depressions-Screening für Diabetiker.

   

Diabetes mellitus und Polyneuropathie

Frage:

Ich habe nicht viele Informationen über Polyneuropathie (Diabetes bedingt) gefunden, unter der ich leide.

 

Leider wurde der Diabetes mellitus erst viele Jahre zu spät erkannt, und die Folgeschäden waren bereits fortgeschritten.

Antwort:

Zu einer Schädigung der Nerven oder neurologischen Störungen kommt es fast bei jedem zweiten Diabetiker im Laufe der Erkrankung. In der Fachsprache wird die diabetische Nervenschädigung auch "Polyneuropathie" bezeichnet.

Es handelt sich dabei um die Folgen einer:

  • chronische Schädigung der Nerven durch andauernd erhöhte Blutzuckerwerte
  • Durchblutungsstörungen der Nerven

Informationen zum Thema Diabetes und Folgeschäden finden Sie im Kapitel Begleiterkrankungen.

Wissenswertes zur Polyneuropathie finden Sie im Beitrag Diabetische Nervenschädigung

   

Cortison und Diabetes

Frage:

Ich bin 36 Jahre alt und habe allergisches Asthma. Zurzeit muss ich mein Cortison spray 2x täglich benutzen. Mich interessiert, ob es einen Zusammenhang zwischen Diabetes 2 und der Langzeitbenutzung von Cortison gibt?

Im letzten Winter hatte ich mehrmals eine Sinusitis und musste insgesamt 3x Antibiotika nehmen, außerdem habe ich zur Zeit dauernd durst und muss öfter auf die Toilette.

Antwort:

Es gibt durchaus eine Verbindung zwischen erhöhten Blutzuckerwerten und der langfristigen Einnahme von Cortison-Präparaten in hoher Dosierung. Die Störung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels mit Blutzucker-Erhöhung kann vorübergehend sein, es ist jedoch auch möglich, dass die Zuckerkrankheit oder Diabetes mellitus als Spätkomplikation auch nach dem Absetzen der Kortison Behandlung zurückbleibt.

Cortison ist ein körpereigenes Hormon (Cortisol), das in der Nebenniere gebildet wird. Es hat im Körper eine Vielzahl von lebenswichtigen Aufgaben: „Es beeinflusst den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel sowie den Wasser- und Mineralhaushalt. Darüber hinaus wirkt es auf das blutbildende System, das Bindegewebe, den Blutdruck, den Magen-Darm-Trakt sowie das Nervensystem. Cortisol ermöglicht die Anpassung des Stoffwechsels an verschiedenste Stressauslöser, die psychischer oder im weitesten Sinne "exogener" (durch äußere Einflüsse) Natur sind.

Durch hohe Cortisondosen steigt der Blutzuckerspiegel. Dadurch wird die Bauchspeicheldrüse vermehrt angeregt, Insulin zu bilden, um den Blutzucker auf normalem Niveau zu halten. Bei gesunden Menschen funktioniert diese Anpassung reibungslos. Ist jedoch der Blutzucker schon zu Beginn der Behandlung hoch und/oder die Cortison-Dosis langfristig sehr hoch und die Bauchspeicheldrüse musst sozusagen auf Hochtouren arbeiten (Prädiabetes), kann diese weitere Blutzuckererhöhung durch Cortison zur Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse führen, der Blutzucker bleibt dauerhaft erhöht und die Zuckerkrankheit wird diagnostiziert.

Wir empfehlen Ihnen, sich dazu unbedingt von Ihrem Arzt beraten zu lassen. Das gilt besonders, wenn in Ihrer Familie Diabetes mellitus bekannt ist und/oder bei Ihnen weitere Risikofaktoren, wie Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck vorliegen.

   

Diabetes und Stuhlinkontinenz

Frage:

Kann als Spätfolge einer Diabeteserkrankung auch eine Stuhlinkontinenz auftreten?  

Antwort:

Zu neuropathischen (Nerven-)Schäden kann es nach jahrelangen erhöhten Blutzuckerwerten kommen, insbesondere dann, wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist. Der Magen-Darm-Bereich ist häufig betroffen.

Erkrankungen des Magens, der Leber, der Gallenblase, des Pankreas und des Darms können auftreten. Beweglichkeitsstörungen im Verdauungstrakt, Obstipation, Durchfall, Leber- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Infektionskrankheiten mit unspezifischen Symptomen, Schluckbeschwerden, Übelkeit, Magenentleerungsstörungen (Gastroparese) sowie Stuhlinkontinenz sind typische Anzeichen einer Nervenschädigung (Neuropathie) im Verdauungstrakt.

Ärzte bezeichnen dieses Krankheitsbild auch als diabetische Enteropathie.

Da die Symptome sehr vielfältig sind, ist eine genaue Untersuchung und Ursachenforschung nötig. Wir empfehlen Ihnen, mit Ihrem Diabetologen über Ihre Beschwerden zu sprechen. Wenn Hinweise von Folgeerkrankungen des Diabetes vorliegen, sollte unbedingt auch ein Spezialist für Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, ein Gastroenterologe, hinzugezogen werden.

   

Diabetes und Depressionen

Frage:

Mein Mann ist mit zu hohem Blutzucker ins Krankenhaus gekommen. Er leidet seit vielen Jahren an Depressionen und Psychosen, darum muss er Tag täglich Tabletten nehmen. Durch diese Einnahme hat er natürlich auch mitunter ca. 50 Kilo zugenommen. Könnte nun auch der hohe Blutzucker mit den Tabletten in Zusammenhang gebracht werden. Könnten die Tabletten Ursache für den hohen Blutzuckerspiegel sein?

Antwort:

Dass Antidepressiva als Nebenwirkung den Blutzucker erhöhen, ist mir nicht bekannt. Wir empfehlen Ihnen, dazu den behandelnden Arzt zu befragen.

Möglicherweise ist aber die starke Gewichtszunahme, die wahrscheinlich eine Folge der Behandlung mit den Antidepressiva ist, die Ursache für den Ausbruch des Diabetes bei Ihrem Mann. Wenn die Erkrankung in der Familie bereits aufgetreten (z. B. Eltern, Geschwister) ist, ist Übergewicht der häufigste Auslöser für diese Erkrankung.

Eine Gewichtsreduktion steht auf dem Behandlungsplan bei allen Typ-2 Diabetikern deshalb an erster Stelle. Allein durch einige Kilogramm weniger sinkt der Blutzucker und meistens auch der Blutdruck und der Blutfettwert, beides ist bei vielen Diabetikern ebenfalls zu hoch.

Ob und wie eine Gewichtsabnahme bei Ihrem Mann zu erreichen ist, ob Medikamente zur Senkung des hohen Blutzuckerwertes erforderlich sind, kann nur ein Arzt entscheiden.

Die langfristig erfolgreichste Methode abzunehmen, ist eine Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten.

   

Diabetes und Dünndarmentzündung

Frage:

Ist es möglich, dass eine schon seit bestimmt zwei Monaten bestehende, aber erst vor drei Tagen diagnostizierte Dünndarmentzündung, zu einem vorübergehenden Blutzuckeranstieg führen kann? Vor vier Wochen wurde bei mir Diabetes Typ II  nachgewiesen.

Antwort:

Zu einem Blutzuckeranstieg kommt es immer dann, wenn kein oder nicht genügend Insulin aus der Bauchspeicheldrüse zur Verfügung steht oder wenn die Zellen, obwohl genügend Insulin vorhanden ist, sich nicht öffnen, um den Zucker aus dem Blut aufzunehmen. In diesem Fall spricht man von einer Insulinresistenz.

Diabetes oder die Zuckerkrankheit wird sehr häufig zufällig entdeckt, oft im Rahmen anderer Untersuchungen. Die Blutzuckerwerte können jahrelang erhöht sein, ohne entdeckt zu werden. Erhöhte Blutzuckerwerte machen keine Beschwerden. Wenn die Diagnose Diabetes mellitus gestellt wird, muss sofort gehandelt werden. Der Blutzucker muss möglichst normnah eingestellt werden, um schwere Spätfolgen der Zuckerkrankheit möglichst zu vermeiden bzw. ihr Auftreten so lange wie möglich hinauszuzögern. An erster Stelle der Therapie stehen immer Gewichtsreduktion, angepasste gesunde Ernährung, mehr Bewegung. Sollte der Blutzucker trotzdem nicht sinken, wird der Arzt nach einigen Monaten zusätzlich Tabletten aufschreiben. Gelingt auch damit keine optimale Blutzuckereinstellung, muss Insulin gespritzt werden.

Ob Ihr Blutzuckerwert aufgrund der Dünndarmentzündung nur vorübergehend erhöht ist, lässt sich durch einfaches Messen bzw. durch genaue Diagnosestellung, die nur ein Arzt vornehmen kann, feststellen.

   

Diabetes und Psychotherapie

Frage:

Ich bin im Großraum Duisburg auf der Suche nach einem Psychologen der über Erfahrungen mit Motivationstraining für Erwachsene Typ- II – Diabetiker verfügt. Könnten Sie mir eine Empfehlung oder einen Tipp geben?

Antwort:

Die Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der Deutschen Diabetes Gesellschaft hat einen Psychotherapieführer für Menschen mit Diabetes erstellt, in dem Adressen aus dem gesamten Bundesgebiet und Österreich von Psychotherapeuten aufgelistet sind, die in der Behandlung von Menschen mit Diabetes erfahren sind.

Neben der Adresse (und - sofern bekannt - jetzt auch Email-Adressen) enthält der Führer u.a. Angaben zu Therapiemethoden, Arbeitsschwerpunkten und behandelten Problemen. Sie finden den Psychotherapieführer finden Sie hier.

   

Schultersteife bei Diabetes mellitus

Frage:

Weil ich meine linke Schulter nicht mehr richtig bewegen kann, bin ich zum Arzt gegangen, dieser hat eine Schultersteife diagnostiziert und hat direkt gefragt, ob ich Diabetes habe. Dieses habe ich bejaht (Typ 2 seit ca 1 Jahr). Der Arzt sagte, das sei nicht ungewöhnlich, dass junge Frauen (ich bin 1964 geboren) mit diesem Problem zu kämpfen hätten. Ist Ihnen das bekannt und wenn ja, wie kann ich vorbeugen?

Antwort:

Die Schultersteife, die auch "frozen shoulder" oder von den Ärzten auch „adhäsive Capsulitis“ genannt, ist eine schmerzhafte, zeitlich begrenzte Erkrankung des Schultergelenkes. Sie kommt in unterschiedlichen Schweregraden vor. Die meisten Menschen erkranken in einem Alter zwischen 40 und 70 Jahren.

Menschen mit Diabetes sind häufiger betroffen als Nichtdiabetiker. Bei diesen sind oft auch beide Schultergelenke mitbeteiligt. Warum das erhöhte Risiko bei Diabetikern besteht, können sich die Wissenschaftler noch nicht erklären.

Die Ursache für die Schmerzen ist eine Entzündung der Gelenkkapsel und der Gelenkinnenhaut vor. Dadurch verhärten und schrumpfen bestimmte Bestandteile der Kapsel, so dass das Schultergelenk zunehmend versteift.

Die Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsstadium. Sie beginnt in der Regel mit einer Schmerztherapie in Form von Tabletten oder Spritzen in Kombination mit einer physikalischen Behandlung. Um die Versteifung des Gelenks so gering wie möglich zu halten, folgt dann eine intensive Krankengymnastik, die unbedingt zu Hause fortgesetzt werden muss.

Wir empfehlen Ihnen, sich von Ihrem behandelnden Arzt genau zu der gewählten Therapieform beraten zu lassen.

   

Cortison und HbA1C-Wert

Frage:

ich bin 26 und nehme auf Grund einer entzündlichen Augenerkrankung seit einem Jahr Cortison (Augentropfen und systemisch: zu Beginn 60mg, bis Nov mit zwischenzeitlichen Erhöhungen auf 12mg gesenkt, seit Nov ausgeschlichen bis auf 4mg). Seit 4 Wochen bekomm ich auf Grund eines neuen Schubes zusätzlich 2x 600mg Ibuprofen am Tag und bekam im Nov 10 Cortisonspritzen direkt ins Auge. Jetzt wurde festgestellt, dass der Hba1c auf 6,3%/45mmol gestiegen ist. Das Cortison ist in absehbarer Zeit aber leider auch nicht absetzbar. Nun wüsste ich gern, ob die Medikamentenkombination eventuell die Erhöhung zur Folge hat, bzw. ob es Erfahrungswerte gibt, wie sich die weiterhin längerfristige Einnahme des Cortisons auf den Blutzuckerspiegel auswirkt.

Antwort:

Cortison ist ein Hormon, das auch im Körper selbst hergestellt wird. Es ist der „Gegenspieler“ zu Insulin. Es fördert u.a. die Neubildung von Glukose in der Leber und lässt somit den Blutzuckerspiegel ansteigen.

Bei gesunden Menschen bildet die Bauchspeicheldrüse als Reaktion darauf mehr Insulin, sodass der Blutzuckerspiegel im Normalbereich bleibt. Diabetiker, deren Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin (Typ 2) oder gar kein Insulin  (Typ 1) zur Senkung des Blutzuckerspiegels herstellt, müssen dann entsprechend mehr Insulin spritzen. Nach Abschluss der Cortison-Therapie verändert sich die Stoffwechselsituation automatisch wieder.

Der HbA1C-Wert sollte bei Gesunden unter 6 % liegen.

 Ob bei Ihnen möglicherweise eine genetische  Veranlagung für Diabetes mellitus als Ursache für den leicht erhöhten HbA1C-Wert in Frage kommt, sollten Sie mit dem behandelnden Arzt bzw. mit einem Diabetologen besprechen. Gleichzeitig möchten wir Ihnen eine regelmäßige Kontrolle Ihres Blutzucker-/HbA1C-Wertes empfehlen.