Nervenschädigung

Zu einer Schädigung der Nerven oder neurologischen Störungen kommt es fast bei jedem zweiten Diabetiker im Laufe der Erkrankung. In der Fachsprache wird die diabetische Nervenschädigung auch "Polyneuropathie" bezeichnet.

Es handelt sich dabei um die Folgen einer: 

  • Chronischen Schädigung der Nerven durch andauernd erhöhte Blutzuckerwerte
  • Durchblutungsstörungen der Nerven

ZWEI HAUPTFORMEN DER DER DIABETISCHEN POLYNEUROPATHIE 

Diabetische Nervenstörungen können an den unterschiedlichsten Körperstellen auftreten. Es sind zwei Formen der Neuropathie zu unterscheiden: 

  • Sensible/motorische Neuropathie
  • autonome Neuropathie 

Die sensible Neuropathie zeigt sich durch:

  • Gefühlsstörungen
  • Missempfindungen
  • Muskellähmungen

Am häufigsten betroffen sind die Nerven der Arme und Hände sowie der Beine und Füße.

  • Brennen der Fußsohlen
  • Taubheitsgefühle
  • Kribbeln („Ameisenlaufen")
  • Wadenkrämpfe
  • Eingeschränktes Wärme-/Kälteempfinden
  • Gangunsicherheit 

sind typische Anzeichen. Auch Hirnnerven können betroffen sein. Bei einer Schädigung des Nervs, der die Augenmuskeln kontrolliert, können Doppelbilder, Fehlstellungen der Lider und des Augapfels die Folge sein. 

DIABETISCHER FUS

Eine Schädigung der Nerven meist in Kombination mit einer Verkalkung der Blutgefäße ist die Hauptursache für die Entstehung des diabetischen Fußes. Etwa bei jedem 10. Diabetiker  führt sie zur Amputation eines oder mehrerer Zehen oder eines Beines.

Aufgrund abgeschwächter oder fehlender Gefühlsempfindungen an Füßen und/oder Beinen für Druck, Schmerz und Temperatur kommt es zu Druckstellen, die sich häufig zu Geschwüren entwickeln, starker Hornhautbildung, Bildung von Schrunden und Rissen aufgrund von trockener Haut, zu unbemerkten Verletzungen oder Verbrennungen (bei heißen Fußbädern). Haut und auch Knocheninfektionen können die Folge sein. 

Die regelmäßige Inspektion der Füße durch den Arzt, die eigene tägliche Kontrolle und die professionelle Fußpflege sind die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung. 

DIE AUTONOME POLYNEUROPATHIE 

Bei der autonomen Polyneuropathie ist das vegetative Nervensystem betroffen. Nervenschäden an den inneren Organen machen sich bemerkbar.

Folgende Organsysteme können betroffen sein: 
  • Herz-Kreislauf-System
    schmerzarmer Herzinfarkt, herabgesetzte körperliche Belastbarkeit, Schwindel und Blutdruckabfall beim Aufstehen 
  • Magen-Darm-Trakt
    Verstopfung (Obstipation), Blähungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Magenentleerungsstörung mit frühem Sättigungsgefühl 
  • Harnwege und Geschlechtsorgane
    Verlust des Blasenempfindens mit spätem Einsetzen des Harndrangs, Blasenüberfüllung, Impotenz
  • Atemwege

  • Schweißdrüsen
    Trockene rissige Haut im Fuß-/Unterschenkelbereich 

BEHANDLUNG DER DIABETISCHEN POLYNEUROPATHIE

Wichtigste Voraussetzung für die Behandlung und Linderung der Beschwerden ist eine optimale Blutzuckereinstellung sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt. Dadurch kann die Entwicklung einer Nervenschädigung verhindert oder verzögert werden, Schmerzen können sich deutlich bessern.

Sollte einer Verbesserung der Blutzuckereinstellung durch Änderung der Therapie nicht zum gewünschten Erfolg führen, wird der Arzt eine geeignete Schmerztherapie einleiten (Tabletten oder Infusion). Beim Auftreten von Komplikationen an einzelnen Organen wird der Diabetologe zur Behandlung einen weiteren Spezialisten (z. B. Gastroenterologe, Urologe, Kardiologe)  hinzuziehen.