Nierenerkrankung

Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu einer Schädigung der feinen Nierengefäße führen, was sich durch eine Eiweißausscheidung im Urin bemerkbar macht. Dabei handelt es sich im Anfangsstadium um kleinste Mengen von Eiweiß (Mikroalbinurie), bei Voranschreiten der Krankheit werden größere Mengen an Eiweiß ausgeschieden. Die Filterfunktion der Niere lässt nach, was zu einem Anstieg von giftigen Substanzen im Körper führt und mit einem Nierenversagen enden kann.

 

Da die Niere auch an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt ist, kommt es oft schon im Anfangsstadium der Erkrankung zu einer Blutdruckerhöhung.

Ein Drittel aller Diabetiker entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine Nephropathie. Die Dauer der Diabeteserkrankung und die Einstellung des Blutzuckerspiegels sind entscheidend für die Entwicklung von Nierenschäden.
 
Weitere Risikofaktoren für die Entstehung einer diabetischen Nephropathie sind:

URINTESTS - WICHTIGES MITTEL ZUR DIAGNOSE

Die Nephropathie verläuft jahrelang ohne Beschwerden. Deshalb sind

regelmäßige Urintests besonders wichtig, um eine beginnende Nephropathie frühzeitig festzustellen.

Mit speziellen Teststreifen können kleinste Mengen von Eiweiß, dem Albumin im Urin erfasst werden. Ein positives Testergebnis muss jedoch immer noch einmal überprüft werden, da auch durch hohe körperliche Aktivität, Harnwegsinfekte, chronische Herzschwäche und Stress Eiweiße mit dem Urin ausgeschieden werden können. Der Test sollte in diesem Fall 2- bis 3-mal innerhalb von wenigen Tagen wiederholt werden. Diabetiker Typ 1 und Diabetiker Typ 2 sollten diesen Test mindestens einmal jährlich durchführen.

FRÜHZEITIGES HANDELN IST WICHTIG

Die Menge des Albumins im Urin gibt Auskunft darüber, wie stark die Nieren bereits geschädigt sind. Bei einer Eiweißausscheidung von unter 300 mg im Urin von 24 Stunden bzw. einer Menge von 200 mg/l Urin ist der Nierenschaden noch rückbildungsfähig. Bei einer höheren Eiweißausscheidung (>300 mg/24 h; Makroalbinurie) bleibt die Niere langfristig geschädigt - nur der Verlauf ist noch durch entsprechende therapeutische Maßnahmen positiv beeinflussbar.

 

Tabelle 1: Stadien der diabetischen Nephropathie (nach MOGENSEN, vereinfachte Darstellung)

Stadium

Nieren-
veränderungen

Verlauf

Diabetesdauer (Jahre)

Eiweiß-
ausscheidung

 

1

 

Überfunktion

 

rückbildungsfähig

 

0 - 2

 

Albuminurie

unter 30 mg/ 24 Stunden Urin

 

2

 

beginnender Nierenschaden ohne klinische Zeichen

 

rückbildungsfähig

 

> 2

 

Albuminurie

unter 30 mg/ 24 Stunden

 

3

 

beginnende Nephropathie

 

noch rückbildungsfähig

 

10 -15

 

Mikroalbuminurie

30 - 300 mg/ 24 Stunden Urin,

20 - 200 mg/l

 

4

 

klinisch manifeste Nephropathie (chronisch)

 

nicht mehr rückbildungsfähig,
jedoch beeinflussbar

 

10 - 20

 

mehr als 300 mg/ 24 Stunden

(Makroangiopathie)

 

5

 

Niereninsuffizienz

 

irreversibel

 

20 - 25

 

mehr als 500 mg/ 24 Stunden

(Proteinurie)

(Quelle: Gerhard-W. Schmeisl, Schulungsbuch für Diabetiker, 5. Auflage, Verlag Urban und Fischer, 2005)

EMPFEHLUNGEN ZUR VORBEUGUNG EINER DIABETESBEDINGTEN NEPHROPATHIE

  • Normnahe Blutzuckereinstellung: HbA1C < 6,5%
  • Normnahe Blutdruckeinstellung (blutdrucksenkende Medikamente)
  • Optimale Blutfettwerte
  • Rauchstopp
  • Gewichtsnormalisierung
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Ausreichend trinken: 2-3 Liter pro Tag
 

WICHTIG: ANPASSUNG DER MEDIKAMENTÖSEN DIABETES-BEHANDLUNG BEI FORTGESCHRITTENER NIERENFUNKTIONSSTÖRUNG

Die Symptome einer fortgeschrittenen Nierenschädigung treten erst nach einigen Jahren auf. Dazu gehören beispielsweise Juckreiz, bräunliche Verfärbung der Haut, Leistungsschwäche, Kopfschmerzen, Blutarmut und vermehrte Wassereinlagerung - vor allem in den Beinen (Ödeme) - sowie Gewichtszunahme.

Bei fortgeschrittener Störung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) nimmt bei vielen Diabetikern der Bedarf an Insulin ab. Um eine Unterzuckerung zu vermeiden, muss die Dosierung entsprechend angepasst werden.

Da viele Medikamente über die Niere ausgeschieden werden, kann es bei einer Niereninsuffizienz zur Anhäufung von Medikamentenstoffen in der Niere kommen. Deshalb dürfen bei fortgeschrittener Nierenfunktionsstörung auch manche Tabletten zur Senkung des Blutzuckerspiegels (orale Antidiabetika) nicht oder nur in verringerten Dosen eingenommen werden. Evtl. muss auf ein anderes Präparat umgestellt werden.

Der Eiweißgehalt des Speiseplans muss möglicherweise verringert werden: Zu empfehlen sind maximal 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht.

Bei chronischem Nierenversagen im fortgeschrittenen Stadium helfen letztlich nur noch die regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation.