So wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt

Schwangerschaftsdiabetes lässt sich gut behandeln. Die Behandlung muss sofort nach der Diagnose beginnen, um die Risiko für Mutter und Kind gering zu halten. Nach der Diagnose eines Gestationsdiabetes muss der betreuende Frauenarzt die Schwangere zur Mitbehandlung umgehend in eine ambulante Diabetes-Schwerpunkteinrichtung überweisen. Der Diabetologe sollte regelmäßig Schwangere mit Gestationsdiabetes betreuen und ausreichende Erfahrungen bei der Behandlung insulinbehandelter Schwangerer (Gestationsdiabetes und Typ-1 Diabetes mellitus) haben.

Zur Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes gehören eine Lebensstilberatung, Blutzuckerselbstkontrollen und manchmal Insulin. Jede Frau mit Schwangerschaftsdiabetes sollte an einer speziellen Schulung in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis teilnehmen. Bei den meisten Schwangerschaftsdiabetikerinnen ist für eine erfolgreiche Behandlung eine Ernährungsumstellung in Kombination mit täglicher Bewegung ausreichend.

Schwangerschaft bedeutet nicht doppelt so viel, sondern doppelt so gut essen

Gerade bei Schwangerschaftsdiabetes ist eine abwechslungsreiche Ernährung, die den Nährstoffbedarf der Mutter und des Babys deckt, besonders wichtig. Der Speiseplan muss so zusammengestellt sein, dass der Blutzuckerwert von Mutter und Baby im gesunden Zielbereich bleibt. Wichtig zu wissen: Nur Kohlenhydrate und kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie zum Beispiel Zuckern, Brot, Nudeln, Kartoffeln oder Reis erhöhen den Blutzucker. Mit kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln müssen sich schwangere Diabetikerinnen deshalb besonders gut auskennen. Dabei kommt es darauf an, die richtige Menge und vor allem solche mit einem niedrigen glykämischen Index auszuwählen. Um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, müssen die Kohlenhydrate auf fünf bis sechs Mahlzeiten pro Tag verteilt werden.
Zu einer qualitativ guten Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes gehört eine ausführliche Ernährungsberatung mit individuellen Empfehlungen für den täglichen Speiseplan, durch den Diabetologen oder seinem Diabetes-Team! Frauen, die sich nicht ausreichend beraten fühlen, sollten sich eine ergänzende Ernährungsberatung bei einer qualifizierten Ernährungsfachkraft gönnen. Adressen von Ernährungsfachkräften in der Nähe können Krankenkassen anbieten.

Ein Plus von 250 kcal pro Tag ab dem 4. Schwangerschaftsmonat ist genug!!

Bei den Kalorien heißt es Zurückhaltung. Erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat steigt der Energiebedarf um ca. 20 Prozent oder 250 kcal pro Tag an. Das ist nicht viel, aber genug! Wenn das Baby zu schnell wächst und bei der Entbindung sehr groß ist, kann es zu Komplikationen kommen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine zu starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft das Risiko für das Baby erhöht, nicht nur als Kind, sondern auch als Jugendlicher und Erwachsener übergewichtig zu werden.
Die empfohlene Gewichtszunahme ist abhängig vom Körpergewicht und vom Body Mass Index (BMI) vor der Schwangerschaft. Der Body Mass Index wird aus dem Gewicht und der Körperlänge errechnet.

Buchempfehlungen zum Thema Schwangerschaftsdiabetes finden Sie unter Schwangerschaft, Eltern und Kind

Empfohlener Bereich der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft nach den aktualisierten Empfehlungen des Institute of Medicine (IOM).

BMI vor der Schwangerschaft Gewichtszunahme gesamt Gewichtszunahme pro Woche 2. u. 3. SS-Drittel
Kleiner als 18,5 12,5 – 18 0,5 – 0,6
18,5 – 24,9 11,5 – 16 0,5 – 0,5
25,0 – 29,9 7,0 – 11,5 0,2 – 0,3
Gleich oder größer 30 3,0 – 9,0 0,2 – 0,3
Für die ersten 12-13 Schwangerschaftswochen wird von einer Gewichtszunahme von 0,5-2 kg ausgegangen.

Jede Schwangere sollte ihr Gewicht einmal wöchentlich vor dem Frühstück ohne Kleidung überprüfen. Zur besseren Kontrolle des Gewichtsverlaufs wird das Gewicht auf einem Gewichtsblatt mit den persönlichen Gewichtsgrenzen eingetragen. Bei jedem Arztbesuch sollte das Gewichtsblatt dem Arzt gezeigt werden.

Vorlagen zum Eintragen des Gewichtsverlaufs in Abhängigkeit vom BMI vor der Schwangerschaft

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI unter 18,5

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI zwischen 18,5 und 24,9

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI zwischen 25,0 und 29,9

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI zwischen 30,0 und höher

Quelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft

Blutzuckermessung zuhause

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes ist die Blutzuckermessung zuhause. Jede Frau mit Gestationsdiabetes erhält in der Praxis des Diabetologen im Rahmen einer speziellen Schulungsveranstaltung ein kleines Messgerät sowie ein Tagebuch zum Eintragen der Messwerte.

Zum Anfang werden vier Messungen pro Tag vorgenommen, je nach Blutzuckerverlauf wird die Anzahl der Messungen pro Tag angepasst. Sind alle Werte im Zielbereich, kann eine Messung pro Tag ausreichend sein.

Folgende Blutzuckerwerte sollen erreicht werden
Morgens nüchtern unter 95 mg/dl (5,3 mmol/l)
1 Stunde nach Beginn einer Hauptmahlzeit unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l)

 

Weitere Tipps finden Sie auch unter Schwangere Fragen - Experten Antworten.

Ergänzend dazu sollte der Gynäkologe alle drei Wochen per Ultraschall die Wachstumsgeschwindigkeit des Babys überprüfen.

 

Insulin zur Behandlung von Gestationsdiabetes

Die Behandlung mit Insulin wird erforderlich, wenn die Blutzuckerwerte trotz einer Ernährungsumstellung und viel Bewegung häufig oberhalb der Zielwerte liegen. Oder wenn der Gynäkologe bei den Ultraschalluntersuchungen feststellt, dass das Kind sehr schnell zugenommen hat. Der Diabetologe wird über die Behandlung mit Insulin gemeinsam mit dem Gynäkologen innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Diagnosestellung entscheiden. Insulin ist ein Hormon, das den Zuckerspiegel bei der Frau und dem Baby senkt. Insulin wird mithilfe eines Pens unter die Haut gespritzt. Das Spritzen sowie den Umgang mit dem Insulin zeigt die Diabetesberaterin in einer besonderen Schulung. Die Behandlung muss bis zur Geburt fortgeführt werden. Tabletten zur Senkung des Blutzuckers, wie sie für Typ 2-Diabetiker zugelassen sind, dürfen während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.
Bei einer Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin sollte der Gynäkologe  in der 32. Schwangerschaftswoche mit CTG-Aufzeichnungen (Kardiotokographie, Wehenschreiber) beginnen, anfangs einmal pro Woche, später auch häufiger. Damit kann er die gesunde Entwicklung des Babys überprüfen.


Quelle: Evidenzbasierte Leitlinie Gestationsdiabetes, Kleinwechter et al.,2011, http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/