Genussvoll leben mit Schwangerschaftsdiabetes

…so lautet der Titel eines Ratgebers für Schwangerschaftsdiabetikerinnen, die allein mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ihren Blutzuckerspeigel im Zaum halten wollen und dennoch nicht auf genussvolle Mahlzeiten verzichten wollen.
80 Prozent aller Frauen mit Gestationsdiabetes bekommen allein durch eine Änderung des Lebensstils die Krankheit in den Griff. Mit der richtigen Ernährung und regelmäßig Bewegung können die Mütter dafür sorgen, dass die Schwangerschaft harmonisch verläuft und das Baby gesund zur Welt kommt. Und nicht nur das. Mit einem gesunden Lebensstil während der Schwangerschaft, das haben Wissenschaftler herausgefunden, „programmieren“ die Mütter für Ihre Kinder Gesundheit, nicht nur als Baby, sondern wahrscheinlich sogar ein Leben lang. Damit können sie ihr Baby vor Übergewicht, vor Diabetes und anderen gesundheitlichen Störungen schützen. Das ist eine echte Chance!
Für manche Frauen bedeutet das ein hohes Engagement, und oft ist auch eine gute Portion Disziplin nötig ist, um die Empfehlungen zur Lebensstiländerung umzusetzen. Aber der Einsatz lohnt sich, nicht nur für das Baby, sondern auch für die Mutter. Frauen, die es schaffen, das, was sie in der Schwangerschaft rund um einen gesunden Lebensstil erfahren, auch nach der Schwangerschaft „weiterzuleben“, sind bestens dafür ausgerüstet, dass die Zuckerkrankheit sich nie wieder zeigt.

Das Buch „Genussvoll leben  mit Schwangerschaftsdiabetes“ soll informieren  und Lust auf einen gesunden Lebensstil als Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden für die ganze Familie machen. Die 60 Rezepte zeigen, wie lecker es sein kann, gesund zu essen und zu trinken.

Leseprobe Genussvoll leben mit Schwangerschaftsdiabetes

Essen für zwei heißt doppelt so gut und doppelt so gesund essen.

Eine Schwangerschaft ist der richtige Zeitpunkt, um die Ernährung und den täglichen Speiseplan zu überprüfen. Je besser Sie essen und trinken, desto besser geht es Ihrem Baby in Ihrem Bauch und noch lange, nachdem es ihn verlassen hat. Darüber sind sich heute alle Wissenschaftler einig. Ihr Baby braucht ausreichend Energie und die richtigen Nährstoffe in den richtigen Mengen, um wachsen und sich gesund entwickeln zu können. Aber schwanger sein bedeutet nicht doppelt so viel essen. Gerade bei Schwangerschaftsdiabetes ist es wichtig, dass die Portionen nicht zu groß sind. Das gilt vor allem für Lebensmittel, die Kohlenhydrate enthalten. Mehr Qualität statt Quantität heißt die Devise beim Essen und Trinken. Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine unbeschwerte genussvolle Schwangerschaft und ein gesundes Baby.

80 Prozent aller Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes behalten den Blutzuckerspiegel allein mit der richtigen Ernährung in Kombination mit täglicher Bewegung im Griff.


Nur Kohlenhydrate lassen den Blutzucker ansteigen

Kohlenhydrate sind die Bestandteile von Lebensmitteln und Getränken, die Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes besonders im Blick behalten müssen. Denn nur Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen. Kein Grund diese Nährstoffe vom Speiseplan zu streichen. Eine gewisse Menge ist notwendig. Denn das Baby braucht diese „Kraftstoffe“, damit es wächst und reift, bis es nach neun Monaten ein gesundes Geburtsgewicht hat. Ist die tägliche Kohlenhydratportion allerdings zu groß, wird das Baby sehr schnell sehr groß, und das kann für Sie beide gefährlich werden.

 Behandlungsmaßnahme Nr. 1 bei Schwangerschaftsdiabetes ist eine ausführliche Ernährungsberatung in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis.

10 Punkte für einen gesunden Lebensstil bei Schwangerschaftsdiabetes

Nehmen Sie an einer Schulung für Schwangere mit Gestationsdiabetes bei einem Diabetesfacharzt (Diabetologe) teil.

Wiegen Sie sich einmal pro Woche und achten Sie auf Ihre Gewichtszunahme.

Achten Sie bei den Kohlenhydraten auf beste Qualität. Bevorzugen Sie kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index, die Ihren Blutzucker nicht so hoch ansteigen lassen.

Genießen Sie fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag.

Wählen Sie hochwertige Fette aus!

Genießen Sie regelmäßig fettarme eiweißreiche Lebensmittel.

Trinken Sie jeden Tag mindestens 1,5 Liter kalorienfreie bzw. –arme Getränke

Trinken Sie keinen Alkohol

Bewegung muss sein: Machen Sie zum Beispiel mindestens dreimal pro Woche einen straffen Spaziergang von 30 Minuten.

Nikotin ist Gift für Sie und Ihr Baby, hören Sie mit dem Rauchen auf.

 

 


Auf die richtigen Kohlenhydrate kommt es an

Achten Sie bei den Kohlenhydraten nicht nur auf die Quantität, sondern auch auf die Qualität. Bei den Kohlenhydraten gibt es zwei Qualitätsstufen. „Schlechte Kohlenhydrate“ schießen aus dem Darm ins Blut und lassen den Zuckerspiegel im Blut sehr schnell und sehr hoch ansteigen. Sie sitzen vor allem in Süßigkeiten und mit Zucker gesüßten Getränken, in Honig und Marmelade und in Weißmehlprodukten. Diese Lebensmittel machen es schwierig, Ihren Blutzuckerspiegel in gesunden Grenzen zu halten. Besser für Sie sind die „guten Kohlenhydrate“. Sie fließen langsam aus dem Darm in die Blutbahn. Starke Blutzuckerspitzen nach dem Essen bleiben aus. Dazu gehören zum Beispiel  Lebensmittel, wie Gemüse, Salat, Sauerteigbrot, Vollkornprodukte, Naturreis sowie auch Käse, Fisch und Fleisch. Sie enthalten viel Eiweiß, Fett, Ballaststoffe und Wasser. Der Einfluss auf den Blutzuckerspiegel ist gering oder kann ganz vernachlässigt werden.  Bei manchen Lebensmitteln hat die Zubereitungsart einen Einfluss auf die Blutzuckerwirksamkeit. So sind Pellkartoffeln günstiger als Kartoffelbrei und Nudeln mit „Biss“ oder Reis “al dente“ besser als die weich gekochte Variante.

Ein Maß für den Anstieg des Blutzuckers nach dem Essen ist der glykämische Index. Je niedriger die Blutzuckerwirkung, desto niedriger ist der glykämische Index eines Lebensmittels, desto stabiler bleibt der Blutzuckerspiegel. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, die in Ihrer Ernährung auf einen niedrigen glykämischen Index achten, sehr viel seltener mit Insulin behandelt werden müssen. Die Kinder im Bauch wachsen langsamer und haben bei der Geburt ein gesundes Gewicht. Frauen, die auch nach der Schwangerschaft weiterhin bei den Kohlenhydraten nur die beste Qualität wählen, haben ein geringeres Risiko, im späteren Leben an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Buchempfehlungen zum Thema Schwangerschaftsdiabetes finden Sie unter Schwangerschaft, Eltern und Kind

 Bei kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln auf einen niedrigen glykämischen Index achten

Lieber                                                                                                                         anstatt

Sauerteigbrot, Pumpernickel, Brot mit ganzen Körnern,
Vollkornbrot, Kleiebrot                                                                             Weißbrot, Croissants, Baguette

Vollkorn-/Körnerbrötchen, Knäckebrot                                                Toastbrot, weißen Brötchen

Vollkornreis, Parboiled Reis, Naturreis                                                 weißen Reis, Jasminreis

Pellkartoffeln, Salzkartoffeln                                                                  Pommes frites, Bratkartoffeln, Kroketten, Püree

Vollkornnudeln oder Nudeln „aldente“                                                weiße Nudeln weich gekocht

Hülsenfrüchte: rote und grüne Linsen, Erbsen,

Kidneybohnen, weiße Bohnen                                                                Kartoffeln, Nudeln

Frisches oder tiefgefrorenes Obst                                                         Obstkonserven, Kompott

Beerenfrüchte                                                                                            Bananen

Nüsse, Müsliriegel ohne Zucker, Studentenfutter                Cräcker, Chips, Flips

 

Vollkornkuchen mit Obst                                                                         Muffins, Berliner, Kekse, Waffeln

Vollkornflocken                                                                                          Cornflakes, Fertigmüsli mit Zucker

Damit der Blutzucker keine Achterbahn fährt, müssen vor allem die kohlenhydrathaltigen Lebensmittel gut über den Tag verteilt werden. Fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag sollten es sein.

Bei Schwangerschaftsdiabetes ist die gleichmäßige Verteilung der Kohlenhydrate über den Tag wichtig

 Zum Beispiel so:

Mahlzeit              KE (1KE = 10 Gramm Kohlenhydrate)

Frühstück            max. 3

Vormittags         1-3

Mittagessen       max. 5

Nachmittags      1-3

Abendessen        max. 5

Spät       1-2, bei starkem Übergewicht (BMI > 30) 2

Tipp: Lassen Sie sich in der Praxis des Diabetologen einen persönlichen Ernährungsplan geben!

 

SCHWANGERSCHAFTSDIABETES: BEWEGUNG SENKT DEN BLUTZUCKER

Ein Baby im Bauch ist kein Grund, die „Füße hoch zu legen“. Im Gegenteil, auch und gerade in der Schwangerschaft ist Bewegung wichtig und gut. Bewegung sorgt für gute Laune und gesunden Schlaf, bringt das Immunsystem auf Trab, macht fit und leistungsfähig für die Geburt und die aufregende Zeit danach. Und Bewegung hält den Blutzucker stabil. Regelmäßige „Muskelarbeit“ kann helfen, die Behandlung mit Insulin zu verhindern. Ganz wichtig: Jede Schwangere sollte sich vor dem Start von einem Gynäkologen zur Häufigkeit und Intensität von Bewegung oder Sport beraten lassen. Eine Anleitung für gezielte Gymnastik zuhause bietet das Programm „Aerobic mit Bauch“. Die beste Zeit für Bewegung oder Sport ist nach dem Essen. Damit lässt sich einfach erreichen, dass der Zuckerspiegel im eigenen und im Blut Ihres Babys nicht so hoch ansteigt. Zum Beispiel eine leichte Morgengymnastik direkt nach dem Frühstück, ein Spaziergang nach dem Mittagessen oder das Eise bei einem Stadtbummel anstatt sitzend im Eiscafé genießen.

Regelmäßig Bewegung tut Mutter und Baby gut.

Der Blutzucker bleibt stabil.

Der Körper baut nicht so viele Fettpolster auf.

Die Gewichtszunahme ist geringer und bleibt in gesunden Grenzen.

Das Baby hat ein gesundes Geburtsgewicht.

Das Risiko für Schwangerschafts-komplikationen wir zum Beispiel ein Anstieg des Blutdrucks sinkt.

Sie schlafen gut.

Die Rückenmuskulatur kann den Babybauch besser tragen und Sie haben weniger Rückenschmerzen.

Sie erreichen nach der Entbindung schneller Ihr altes Gewicht.

Sie sind top in Form und somit auf die Anforderungen der ersten Monate mit Ihrem Baby bestens vorbereitet.

Ein kostenloses Online-Coaching von Experten für Schwangere und Mütter bietet die Deutsche Sporthochschule Köln. Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Buchempfehlungen zum Thema Schwangerschaftsdiabetes finden Sie unter Schwangerschaft, Eltern und Kind sowie unter Bewegung und Sport