Nach der Geburt

Nach der Schwangerschaft normalisiert sich bei den meisten Frauen der Blutzuckerspiegel wieder. Eine Fortsetzung der Behandlung ist damit nicht mehr nötig. Nur bei ca. 5 Prozent der Betroffenen bleibt der Diabetes auch nach der Schwangerschaft bestehen.
Aber bei vielen Frauen entwickeln sich in den Monaten und Jahren nach der Schwangerschaft Störungen in der Zuckerverwertung, so genannte Glucosetoleranzstörungen. Das können Vorstufen einer Diabeteserkrankung sein. Um diese rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, sollte jede Frau, die während der Schwangerschaft an Gestationsdiabetes erkrankte, nach sechs bis acht Wochen nach der Entbindung bei einem Diabetologen einen Zuckerbelastungstest mit 75 Gramm Traubenzucker und Blutentnahme aus der Armvene durchführen lassen. Blutzuckerwerte nüchtern unter 100 mg/dl (5,6 mmol) und nach zwei Stunden unter 140 mg/dl (7,8 mmol) sind normal. Sind die Blutzuckerwerte in Ordnung, sollte der Test je nach individuellem Risiko alle ein bis drei  Jahre wiederholt werden.
Bei einer erneuten Schwangerschaft sollte schon in den ersten Schwangerschaftswochen beim Gynäkologen oder bei einem Diabetologen ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes gemacht werden.

Durch einen gesunden Lebensstil sinkt das Risiko, an Diabetes Typ 2 oder Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken

Auch wenn sich der Blutzuckerspiegel direkt nach der Entbindung wieder normalisiert hat, haben Gestationsdiabetikerinnen ein hohes Risiko in einer weiteren Schwangerschaft wieder an Gestationsdiabetes zu erkranken. 50 bis 60 Prozent aller Frauen erkranken innerhalb von zehn Jahren nach der Geburt an Diabetes mellitus Typ 2. Auch die Kinder haben ein hohes Risiko, im späteren Leben übergewichtig zu werden und an Diabetes zu erkranken.

Das lässt sich durch einen gesunden Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Bewegung und gesunder ausgewogener Ernährung  und einem gesunden Körpergewicht vermeiden. Es ist daher für jede Frau, die an Gestationsdiabetes erkrankt, zu empfehlen, den während der Schwangerschaft erprobten gesunden Lebensstil beizubehalten. Das ist der beste Garant für Gesundheit, Wohlbefinden, Fitness und eine gute Figur. Auch die Kinder profitieren davon. Es ist erwiesen, dass Kinder die von klein auf daran gewöhnt sind, dass täglich reichlich gesunde Lebensmittel auf den Teller kommen, später Pommes, Burger & Co. eher liegen lassen.

Gut essen und trinken nach der Schwangerschaft

  • Kochen Sie möglichst oft selbst und verwenden Sie dabei reichlich frische Lebensmittel. Unsere Rezepte geben Ihnen dazu ein ideale Orientierung
  • Genießen Sie jeden Tag drei Portionen Gemüse oder Salat und zwei Portionen Obst. Davon kann eine Portion durch Saft oder Suppe ersetzt werden.
  • Wählen Sie bei Brot, Nudeln und Reis möglichst oft die Vollkornvariante. Sie enthalten viele Ballaststoffe, die helfen, den Blutzucker stabil zu halten. Außerdem machen Sie lange satt und helfen beim Abnehmen.
  • Essen Sie zu jeder Mahlzeit etwas Eiweißhaltiges wie Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte, Eier, Aufschnitt.
  • Wählen Sie auch bei den Fetten nur gute Qualität, z. B.  Rapsöl, Olivenöl, Nussöle, Leinöl.
    Wenn Sie übergewichtig sind, bleiben Sie bei Milch- und Milchprodukte sowie Fleisch und Wurst bei den fettreduzierten oder natürlicherweise mageren Produkten.
  • Gehen Sie sparsam mit Zucker, Süßigkeiten und fett- oder zuckerreichen Snacks um.
    Naschen Sie nicht zwischendrin, sondern stets nach einer Mahlzeit. Süßstoffe sind erlaubt, auch in der Stillphase.
  • Trinken Sie reichlich kalorienfreie oder –arme Getränke, wie Wasser, ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee oder Saftschorlen. Wenn Sie stillen, trinken Sie vor jeder Stillmahlzeit ein Glas Wasser. Pro Tag ist eine Trinkmenge von 2 bis 2,5 Litern günstig. Vorsicht vor coffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, grüner und schwarzer Tee, Colagetränken oder Energydrinks. Ihr Baby trinkt mit! Verzichten Sie in der Stillzeit auf Alkohol.
  • Solange Sie Ihr Kind häufig am Tag stillen, nehmen Sie fünf Mahlzeiten am Tag ein. Nach der Stillphase können auch drei Mahlzeiten pro Tag ausreichend sein.
  • Während der Stillzeit braucht Ihr Körper ausreichend Jod. Essen Sie zweimal die Woche fettreichen Seefisch, würzen Sie die Speisen mit jodiertem Speisesalz und nehmen Sie jeden Tag eine Jodtablette mit 100 Mikrogramm Jod ein.
  • Nehmen Sie im Winterhalbjahr täglich ein Vitamin D-Präparat ein.

 

Muttermilch – Das Beste für Mutter und Baby

Muttermilch ist das Beste, was jede Frau ihrem Baby bieten kann. Mit Muttermilch bekommt das Baby sozusagen eine Rundum-Versorgung und das 24 Stunden lang. Muttermilch ist immer da, wenn sie gebraucht wird:  Sie löscht Babys Durst, sie stillt Babys Hunger, sie schützt es vor Allergien, liefert Baustoffe für Babys Immunsystem, sorgt für eine gesundes Körpegewicht und kann das Baby davor bewahren, später an Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2) zu erkranken. Beginnen Sie mit dem Stillen am besten schon in den ersten zwei Stunden nach der Geburt. In den ersten vier bis sechs Monaten braucht das Baby nichts anderes als Muttermilch. Stillen Sie weiter, wenn die Kinder sich nach sechs Monaten langsam an die Beikost-Mahlzeiten gewöhnen.

Aber auch für die Mütter ist das Stillen ideal. Laut aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen können Frauen, bei denen in der Schwangerschaft Diabetes festgestellt wurde, ihr Risiko, später an Diabetes zu erkranken, um bis zu 40 Prozent senken, wenn sie stillen. Und Stillen bietet noch mehr Vorteile für Sie:

  • Stillen sorgt für gute Laune. Dafür sind Hormone verantwortlich, die beim Stillen im Gehirn gebildet werden. Sie schützen Sie vor Stimmungstiefs nach der Geburt.
  • Stillen sorgt für eine gute Figur. Wenn Sie Ihr Baby voll stillen, verbraucht der Körper ungefähr 600 Kalorien pro Tag, die er sich zum Teil aus Ihren während der Schwangerschaft angelegten Fettpolstern holt.
  • Stillen ist praktisch. Muttermilch ist immer dabei und immer trinkfertig, am Tag sowie in der Nacht, ob zuhause, unterwegs oder im Urlaub. Sie liefert dem Baby Energie und Nährstoffe, genauso wie es sie braucht. Wenn Sie unterwegs sein wollen und Papa oder Oma die Fütterung übernehmen soll, pumpen Sie die Milch vorher einfach ab.
  • Stillen macht glücklich, Sie und Ihr Baby.
  • Stillen ist preiswert. Kosten für Babynahrung, Fläschchen sowie für Energie, um die Milch zuzubereiten und die Flaschen zu erwärmen, entfallen.
  • Stillen senkt das Risiko für Brust – und Eierstockkrebs.

In der Stillphase können Hebammen oder Stillberaterinnen hilfreich sein. Sie beraten Sie schon vor der Geburt zu allen Fragen rund ums Stillen und stehen auch in den ersten Wochen zuhause mit Rat und Tat zur Seite.

Quelle: Genussvoll leben mit Schwangerschaftsdiabetes, Umschau Buchverlag 2013