So wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt

 

Schwangerschaftsdiabetes lässt sich gut behandeln. Die Behandlung muss sofort nach der Diagnose beginnen, um die Risiko für Mutter und Kind gering zu halten. Nach der Diagnose eines Gestationsdiabetes muss der betreuende Frauenarzt die Schwangere zur Mitbehandlung sofort in eine ambulante Diabetes-Schwerpunkteinrichtung überweisen. Der Diabetologe sollte regelmäßig Schwangere mit Gestationsdiabetes betreuen und ausreichende Erfahrungen bei der Behandlung insulinbehandelter Schwangerer (Gestationsdiabetes und Typ-1 Diabetes mellitus) haben.  
  Zur Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes gehören eine Lebensstilberatung, Blutzuckerselbstkontrollen und eventuell Insulin. Jede Frau mit Schwangerschaftsdiabetes sollte an einer speziellen Schulung in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis teilnehmen. Bei 80 bis 85 Prozent der Schwangerschaftsdiabetikerinnen ist eine Ernährungsumstellung in Kombination mit täglicher Bewegung für eine erfolgreiche Behandlung ausreichend.

Schwangerschaft bedeutet nicht doppelt so viel, sondern doppelt so gut essen

Gerade bei Schwangerschaftsdiabetes ist eine abwechslungsreiche Ernährung, die den Nährstoffbedarf der Mutter und des Babys deckt, besonders wichtig. Der Speiseplan muss so zusammengestellt sein, dass der Blutzuckerwert von Mutter und Baby im gesunden Zielbereich bleibt. Nur Kohlenhydrate und kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie zum Beispiel Brot, Nudeln oder  Reis erhöhen den Blutzucker. Dabei kommt es darauf an, die richtige Menge und nur gute Qualität auszuwählen. Um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, müssen die Kohlenhydrate auf fünf bis sechs Mahlzeiten pro Tag verteilt werden.

Bei den Kalorien heißt es Zurückhaltung. Erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat steigt der Energiebedarf um ca. 20 Prozent oder 250 kcal pro Tag an. Das ist nicht viel, aber genug! Wenn das Baby zu schnell wächst und bei der Entbindung sehr groß ist, kann es zu Komplikationen kommen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine zu starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft das Risiko für das Baby erhöht, nicht nur als Kind, sondern auch als Jugendlicher und Erwachsener übergewichtig zu werden.

 

In der Ernährungsberatung in der diabetologischen Schwerpunktpraxis bekommt jede Frau mit Schwangerschaftsdiabetes eine ausführliche Ernährungsberatung mit individuellen Empfehlungen für den täglichen Speiseplan

Die empfohlene Gewichtszunahme ist abhängig vom Körpergewicht und vom Body Mass Index (BMI) vor der Schwangerschaft. Der Body Mass Index wird aus dem Gewicht und der Körperlänge errechnet.

 

Buchempfehlungen zum Thema Schwangerschaftsdiabetes finden Sie unter Schwangerschaft, Eltern und Kind

 

Empfohlener Bereich der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft nach den aktualisierten Empfehlungen des Institute of Medicine (IOM).

BMI vor der Schwangerschaft Gewichtszunahme gesamt Gewichtszunahme pro Woche 2. u. 3. SS-Drittel
Kleiner als 18,5 12,5 – 18 0,5 – 0,6
18,5 – 24,9 11,5 – 16 0,5 – 0,5
25,0 – 29,9 7,0 – 11,5 0,2 – 0,3
Gleich oder größer 30 3,0 – 9,0 0,2 – 0,3
Für die ersten 12-13 Schwangerschaftswochen wird von einer Gewichtszunahme von 0,5-2 kg ausgegangen.
Quelle: Evidenzbasierte Leitlinie Gestationsdiabetes, Kleinwechter et al.,2011, http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/

Jede Schwangere sollte ihr Gewicht einmal wöchentlich vor dem Frühstück ohne Kleidung überprüfen. Zur besseren Kontrolle des Gewichtsverlaufs wird das Gewicht auf einem Gewichtsblatt mit den persönlichen Gewichtsgrenzen eingetragen. Bei jedem Arztbesuch sollte das Gewichtsblatt dem Arzt gezeigt werden.

Vorlagen zum Eintragen des Gewichtsverlaufs in Abhängigkeit vom BMI vor der Schwangerschaft

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI unter 18,5

 

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI zwischen 18,5 und 24,9

 

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI zwischen 25,0 und 29,9 

 

Blatt zur Eintragung des Gewichtsverlaufs während der Schwangerschaft bei einem BMI zwischen 30,0 und höher

Quelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft

BLUTZUCKERMESSUNG ZUHAUSE

Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes ist die Blutzuckermessung zuhause. Jede Frau mit Gestationsdiabetes erhält in der Praxis des Diabetologen im Rahmen einer speziellen Schulungsveranstaltung ein kleines Messgerät  sowie ein Tagebuch zum Eintragen der Messwerte.

Zum Anfang werden vier Messungen pro Tag vorgenommen, je nach Blutzuckerverlauf wird die Anzahl der Messungen pro Tag angepasst. Sind alle Werte im Zielbereich, kann eine Messung pro Tag ausreichend sein.

 
Folgende Blutzuckerwerte sollen erreicht werden
Morgens nüchtern unter 95 mg/dl (5,3 mmol/l)
1 Stunde nach Beginn einer Hauptmahlzeit unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l)

Die Behandlung mit Insulin wird erforderlich, wenn die Blutzuckerwerte trotz einer Ernährungsumstellung und viel Bewegung häufig oberhalb der Zielwerte liegen. 

Weitere Tipps finden Sie auch unter Schwangere Fragen - Experten Antworten