So behandelt der Arzt

 

Bei Diabetes Typ 1 ist eine sofortige Insulintherapie erforderlich ist, bei Diabetes Typ 2 kann der Blutzuckerspiegel auch durch eine Lebensstieländerung beeinflusst werden. Bei Diabetes Typ 1 liegt ein absoluter Insulinmangel vor. Diese Diabetiker müssen sofort nach der Diagnose Insulin spritzen.

Bei Diabetes Typ 2 heißt der erste Behandlungsschritt: Veränderung der Lebensgewohnheiten. Eine gesunde Ernährung, Abnehmen und Bewegung bewirken bei vielen Diabetikern schon eine Normalisierung der Blutzuckerwerte.

Vor allem für Typ 2 Diabetiker trifft dies zu. So kann die Behandlung mit Tabletten oder sogar das Spritzen von Insulin oft auf Jahre hinaus geschoben werden.

Blutzucker senkende Medikamente

Wird trotz einer Lebensstiländerung keine Senkung der Blutzuckerwerte erreicht, werden im zweiten Schritt Blutzucker senkende Medikamente verordnet. Es gibt inzwischen eine Fülle von gut wirksamen Medikamenten auf dem Markt, die den Blutzucker auf unterschiedliche Weise senken, z. B. indem sie die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ankurbeln, die Wirkung des Insulins verbessern oder die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin erhöhen.

WANN INSULIN?

Reicht auch die Wirkung der Medikamente nicht mehr aus, um die Blutzuckerwerte in normalen Grenzen zu halten, kommt als letzte Stufe das Insulin hinzu. Viele Betroffene fürchten sich vor diesem Schritt, da das Insulin unter die Haut gespritzt werden muss. Diese Ängste sind jedoch unbegründet. Moderne Techniken machen das Spritzen von Insulin heute einfach und angenehm. Den meisten Diabetikern geht es mit Insulin sogar erheblich besser. Insulin wird entweder in Kombination mit Blutzucker senkenden Medikamenten gespritzt oder es wird ausschließlich mit Insulin behandelt. Vor dem Beginn der Insulinbehandlung bekommt jeder Diabetiker eine besondere Schulung, in der er den Umgang mit Insulin erlernt und übt.

Humaninsulin und Insulinanaloga

Zur Behandlung von Diabetes mellitus stehen verschiedene Insuline zur Verfügung: Kurz- mittel- und lang wirkende Humaninsuline und Insulinanaloga. Humaninsuline werden nicht, wie der Name vermuten lässt, aus der menschlichen Bauchspeicheldrüse gewonnen, sondern in großen Mengen von der Pharmaindustrie gentechnisch hergestellt. Zur Gruppe der Insulinanaloga zählen die kurz wirksamen Insulin-Analoga Insulin lispro, Insulin apart und Insulin gluisin sowie die lang wirksamen Insulin-Analoga Insulin glargin und Insulin detemir. Daneben gibt es noch Mischinsuline.
Insulin kann nur per Injektion ins Unterhautfettgewebe verabreicht werden. Als Tablette kann Insulin nicht eingenommen werden, da es im Magen-Darm-Trakt von den Enzymen abgebaut werden würde, bevor es seinen Wirkungsort erreicht.

Verschiedene Insuline

  • Normal oder Altinsuline
    Wirkungsbeginn nach 15 bis 30 Minuten mit stärkster Wirkung nach ca. 2 Stunden, Wirkungsdauer ca. 4 bis 6 Stunden. Zwischen der Injektion und der Mahlzeit sollte in Abhängigkeit vom Ausgangsblutzucker ein Abstand von 10 bis 20 Minuten liegen
  • NPH-Insuline (Verzögerungsinsuline)
    Wirkungsbeginn nach 1 bis 2 Stunden mit stärkster Wirkung nach 4 bis 6 Stunden, Wirkungsdauer je nach Dosierung 8 bis 12, maximal 24 Stunden. Zwischen der Injektion und der Mahlzeit sollte  ein Abstand von 30 bis 45 Minuten (oder länger) liegen
  • NPH-Mischinsuline
    Mischung aus Altinsulin und Verzögerungsinsulin
    kurzer Spritz-Essabstand
  • sehr kurz wirksame Insulin-Analoga
    Wirkungsbeginn nach 10 Minuten mit stärkster Wirkung nach 30 bis 90 Minuten, Wirkungsdauer 1 bis 2 Stunden, kein Spritz-Essabstand
  • lang (bis zu 24 Stunden) wirkende Insulinanaloga
    gleichmäßiger langsamer Wirkungsbeginn, kein Wirkungsmaximum, Wirkdauer 24 Stunden. Diese Insuline werden oft nachts verabreicht, um nächtliche Unterzuckerungen und hohe Nüchtern-Blutzuckerwerte morgens zu verhindern
  • zinkverzögerte Insuline
    maximale Wirkung nach 4 bis 8 Stunden. Diese Insuline sind besonders für Diabetiker geeigent, die morgens einen sehr hohen Nüchterblutzucker haben (Dawn-Phänomen)

Konservative und intensivierte Insulintherapie

Bei der konservativen Insulintherapie wird meist vor dem Frühstück und noch einmal vor dem Abendessen eine festgelegte Menge Mischinsulin gespritzt. Vorteil ist, dass man mit zwei Injektionen am Tag auskommt, allerdings müssen die vorgesehenen Mahlzeiten genau eingehalten werden, damit es nicht zur Unterzuckerung kommt. 
Wesentlich freier im Tagesablauf und bei der Mahlzeitengestaltung sind Diabetiker mit der intensivierten Insulintherapie. Allerdings muss hier häufiger gespritzt werden, neben zwei Injektionen Verzögerungsinsulin außerdem ein schnell wirkendes Insulin jeweils vor den Mahlzeiten. Voraussetzung für die Behandlungsform ist, dass der Diabetiker sich mit dem Kohlenhydratgehalt der Lebensmittel sehr gut auskennt und mengenmäßig einschätzen kann.

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